Kurzinformation zum Projekt "Ohne Gewalt stark"

(Referent Herr Voß)

 

Hinweis: Ein Polizist unterliegt dem Legalisierungsprinzip, das bedeutet, er muss Straftaten, von denen man ihm erzählt, nachgehen und diese zur Anzeige bringen.

Das Projekt „Ohne Gewalt stark“ wird von der Polizei Bochum für SchülerInnen des achten Jahrganges angeboten. Es findet nicht in der Schule, sondern im Polizeipräsidium statt und dauert etwa drei Zeitstunden. Die Sitzung wird von Polizeibeamten geleitet, die LehrerInnnen sitzen daneben.

Die Sitzung wird in zwei Bereiche aufgeteilt: einen theoretischen Bereich und einen eher praktischen Bereich.

 

Erster Teil:

Der Gewaltbegriff wird erarbeitet, indem zwei Pole (blaue und rote Karten), die zum einen 0% Gewalt und zum anderen 100% Gewalt symbolisieren sollen, als eine Art „Gewalt-Skala“ auf den Boden gelegt werden. Nun sollen die SchülerInnen aufgrund vorgegebener Situationen (z.B. Profiboxer, eine Ohrfeige der Mutter, usw.) den Gewaltgrad einschätzen, indem sie sich an der entsprechenden Stelle auf der Skala anordnen. Dabei entstehen schon oft Diskussionen bzw. andere Gewalteinschätzungen werden deutlich, da jeder Mensch ein anderes Gewaltverständnis besitzt. Es wird versucht, sich auf eine bestimmte Einschätzung jeder Situation zu einigen. Hierbei wird schon ausführlich über das individuelle Gewaltgefühl gesprochen.

Anschließend wird die Frage gestellt, ob es an der jeweiligen Schule Gewalt gebe. Die Kinder äußern sich dazu und beschreiben eigene Erlebnisse. Das Ziel dieser Äußerungen ist die Erkenntnis, dass es eine Gewaltspirale gibt, bei der sich die angewandte Gewalt Schritt für Schritt erhöht bis hin zu eventuell schweren Körperverletzungen.

Beispiel einer Gewaltspirale:

Beschimpfung " Beleidigung " Beleidigung der Familie " Anrempeln " Schubsen " Treten " Schlagen " Prügeln " Messer ziehen " ... 7

 

Erkenntnis: Waffen haben in der Schule nichts verloren.

Um den Begriff der Notwehr näher zu erläutern, wird ein Rollenspiel mit SchülerInnen bei der Veranstaltung durchgeführt:

Ein Mädchen sitzt glücklich auf einer Bank und liest ein Buch. Dann kommt ein frustrierter „no future“ Jugendlicher an dem Mädchen vorbei und schlägt ihr ins Gesicht. Er geht weiter.

Was soll sie tun ?

" Sie soll versuchen, sich das Aussehen des Täters genau  einzuprägen, um ihn dann bei einer Anzeige möglichst genau beschreiben zu können. Hier wird die Schwierig­keit einer Personenbeschreibung deutlich, denn es ist gar nicht so leicht, einen nur kurz gesehenen Menschen genau zu beschreiben. Man sollte die Beschreibung an einigen geeigneten Merkmalen festmachen: Haarfarbe, Größe, Statur, Kleidung, Schuhe, Tätowierung, usw.

Nun wird die Frage aufgeworfen, ob es sich um Notwehr handelt, wenn das Mädchen aus dem Rollenspiel dann hinter dem Täter her rennt und ihm von hinten in das Kreuz tritt. Der Notwehrbegriff wird besprochen und die verschiedenen Arten der Gewalt ebenfalls.

 

Verschiedene Arten der Gewalt :

" psychische Gewalt

" physische Gewalt

" Gewalt gegen Sachen

 

Gewalt darf keinen Rechtfertigungsgrund haben.

Gewalt ist ein schuldhaftes, tatbestandhaftes und rechtswidriges Verhalten.

Gewalt muss absichtlich sein. 

 

Psychische Gewalt ist z.B. ein Problem an Arbeitsstellen und in Schulen, und sie äußert sich oft in Form von Mobbing (laut Rechtssprechung im Bereich der Körperverletzung anzusiedeln).

Folgen des Mobbings in Schulen: SchülerInnen trauen sich nichts mehr zu sagen, werden stumm im Unterricht und völlig verunsichert. Es hat Fälle gegeben, in denen sich SchülerInnen deswegen selbst umgebracht haben.

 

Zweiter Teil:

Die SchülerInnen treffen sich in der Sporthalle, in der der praktische Teil der Veranstaltung „Stark ohne Gewalt“ stattfindet.

In einem Teil der Halle sind Stühle so aufgebaut, wie die Anordnung der Sitzplätze in einem Bus.

Nun werden zwei Freiwillige (ein „Täter“ und ein „Opfer“) für ein Rollenspiel ausgesucht. Das „Opfer“ sitzt am Fenster und der „Täter“ bedrängt es und will sein Handy „abzocken“.

Der in Schülerkreisen oft heruntergespielte Begriff „Abzocken“, ist laut Rechtssprechung nichts anderes als eine räuberische Erpressung. Raub ist ein Verbrechen, die Strafe dafür ist mindestens ein Jahr Freiheitsstrafe.

Im Rollenspiel sitzen alle SchülerInnen im Bus und keiner greift ein. Wenn bei einer beobachteten Straftat nicht eingegriffen wird, bedeutet das unterlassene Hilfeleitung.

 

In einem weiteren Rollenspiel kommt ein Mädchen abends um 22.00 Uhr aus der Disco und will mit dem Bus nach Hause fahren.

Wohin soll sie sich setzen ? 

" Sie soll sich in die Nähe des Busfahrers setzen.

" Sie soll sich an den Gang setzen, damit sie jederzeit aufstehen kann.

Bei Belästigungen sollte das Opfer die Öffentlichkeit herstellen, den Täter aus der Anonymität herausholen.

 

Wie kann man einem Opfer helfen ?

1) Den Täter nicht duzen.

2) Vom Täter Abstand halten.

3) Dem Busfahrer Bescheid sagen.

4) Mit dem Handy die Polizei benachrichtigen.

5) Falls der Täter flieht, ihn nicht festhalten, sich aber Erscheinung des Täters einprägen.

6) Wenn man helfen will, dann sollte man andere Menschen direkt ansprechen und um zusätzliche Hilfe bitten („Sie da, in dem roten T-Shirt, helfen Sie mir!“).

7) Das Opfer direkt ansprechen (bzw. am Täter vorbeigehen), wodurch der Täter verunsichert wird, weil er damit nicht rechnet.

 

Spiel:  „Elefantenjäger“

Alle SchülerInnen halten sich in einer Kette zusammen, acht „Elefantenjäger“ versuchen die Kette auseinander zu reißen.

Wichtig dabei ist, vorher Regeln zu vereinbaren. Die SchülerInnen werden gefragt, was erlaubt sein soll und was nicht (z.B. Kitzeln, Kratzen, Haare ziehen verboten, usw.).

In dem Spiel wird zwar körperliche Kraft angewendet, aber keine Gewalt.

 

Spiel:  „Prügelspiel“

Zwei Freiwillige, am besten Freunde, sollen sich mit Schaum­stoff­schlägern prügeln. Die anderen SchülerInnen feuern zunächst beide Prügelnden an, anschließend wird nur noch einer angefeuert. Die Polizistin hebt den Arm und zeigt so den Zuschauern (vorher vereinbartes Zeichen, ohne Wissen der Prügelnden), dass sie den Saal still und leise verlassen sollen.

Diese unerwartete Situation verunsichert die Prügelnden, so dass sie sofort aufhören, aufeinander einzuschlagen. Diese Situation soll den SchülerInnen verdeutlichen, dass der Ausgang einer Schlägerei in großem Maße von den Umstehenden abhängig ist.